Zum Scheitern verurteilt? erkoren!

Eine Konjunktur von Buchtiteln wie ‹Lust am Scheitern›, ‹vom Glück des Scheiterns› oder ‹die Kunst des Scheiterns› zeigen, wie sich der Umgang mit dem Phänomen des Scheiterns vom früheren Tabuisieren heute grundlegend verändert hat. Im Philosophicum Basel wurde dazu geforscht.

In der Hamburger Kunsthalle fand dieses Jahr eine Ausstellung zum Thema ‹Besser Scheitern› statt, der ein Motto von Samuel Beckett vorangestellt war: «Ever tried, ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.» Besser scheitern – also Scheitern als eine zu vervollkommnende, einzuübende Fähigkeit des modernen Menschen? Der Soziologe Richard Sennett beschrieb 1998 in seinem Buch ‹Der flexible Mensch› Scheitern als das grosse moderne Tabu. Inzwischen scheint die offene Beschäftigung mit dem Thema Konjunktur zu haben. Könnte ein aktueller Trend darin liegen, im offensiv-geschwätzigen und scheinbar (endlich!) professionellen Umgang mit dem Scheitern nun eine modellhafte, vorhersehbare Technik der Vernutzung und scheinbaren Beherrschung entwickeln zu wollen, die aber genau das zu verhindern droht, was durch ein existentielles Scheitern gerade ermöglicht werden will: eine individuelle, radikal situationsethische, ergebnisoffene Bewusstwerdung und Selbsterkenntnis, eine Korrektur durch das Leben, ein Zurechtrücken von vorher nicht durchschauten Zusammenhängen im Lebensgefüge, ein Gang ins Offene, ein kairologisches Einfallstor für Neues? Im November fand in Basel am Philosophicum eine Kooperationsveranstaltung mit dem Hardenberg Institut Heidelberg zum Thema ‹Scheitern› statt. Unternehmer, Berater, Führungskräfte und Wissenschaftler nahmen an der Initiative von Stefan Brotbeck, Peter Dellbrügger und Bernard Hucher teil. In seinem Beitrag nahm Stefan Brotbeck einen zeitphilosophischen Zugang und unterschied mit Adventus und Futurum zwei Aspekte von Zukunft, die beide ihre Aufgabe und Berechtigung haben, in ihren möglichen Vereinseitigungen aber Gefahren und Quellen des Scheiterns darstellen. Die Adventus-Zukunft charakterisierte Brotbeck als offene Empfänglichkeit (Gegenwart der Zukunft) und die Futurum-Zukunft als planvolle Fortschreibung der Gegenwart (Zukunft der Gegenwart). Dazu gehören die unterschiedlichen Vergangen- heitsqualitäten von Perfectum (Vergangenheit der Gegenwart als abgeschlossene Vergangen- heit) und Imperfectum (offene Vergangenheit als Gegenwart der Vergangenheit). Scheitern sei auch als eine Dienstleitung zu verstehen, die wir erhalten, wenn etwas zwischen den Zeitqualitäten Futurum und Adventus, Perfectum und Imperfectum nicht stimmt. Karl-Martin Dietz führte in seinen Beitrag aus, dass die Titanic trotz bestem verfügbaren Wissen gesunken sei, weil der Kapitän nur erfahrungsbasiert gehandelt habe, und damit an seiner eigenen seelischen Disposition gescheitert sei. Dies führte Dietz anhand der soziologischen Individualisierungsdebatte weiter aus: Wir bekommen einen Freiraum geschenkt durch das Wegbrechen früher selbstverständlich tragender Zusammenhänge, den es zu ergreifen gilt und in dem Autonomie durch Selbstentwicklung, Durchschauen von Zusammenhängen und einer neuen Einbindung in das Ganze entstehen kann. Gelingt dies nicht, folgt ein Scheitern in Form von Orientierungslosigkeit, Willenslähmung und Verlust an Sicherheit, wohingegen wir uns der neuen gesellschaftlichen Situation gewachsen zeigen können durch die Pflege einer dialogischen Kultur, die dem eigenständigen Handeln des Einzelnen im Sinne des „Ganzen“ dient.

Peter Dellbrügger - Philosophicum Basel

 


THEORIE U  

O. Scharmer

Diese eigene Orientierungshilfe zum Umgang mit der Theorie U stelle ich gern zur Verfügung.

 

Einleitung

Analyse der Krise unserer Zeit          22

Den blinden Fleck sehen lernen      28

Humus des sozialen Feldes: auch zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt            33

Aus welchem inneren Ort handle, höre ich?        33

4 Feldstrukturen der Aufmerksamkeit: in mir, in es, in dir, in Gegenwärtigung    34

4 Typen des Zuhörens: Runterladen, objektfokussiert, empathisch, schöpferisch   35

Galilei, Lewin, Aristoteles         38

5 Bewegungen des U: gemeinsame… Intention, Wahrnehmung, Wille/Stille,

erproben, gestalten          42

 

Teil I    Begegnung mit dem blinden Fleck

 

1 – 2  Im Angesicht des Feuers / Der Weg zum „U“

Feuererlebnis, Zeitverlangsamung, doppeltes Selbst              47

Horizontale und vertikale Dimensionen der Veränderungsprozesse            51

Single-loop und Double-loop-lernen, bis zum Re-generating: Schema             52

Fülle von grossen Persönlichkeiten, Phil. Freiheit, Steiner. Phänomenologie           53

Schöpferisch handeln = 1. Hinschauen 2. Sich verbinden mit eigenem Inneren

3. Handeln             56

3 Gesten des Aufmerksamwerdens: Innenhalten, Umwenden, Loslassen           59

" Zusammen = 1. Innehalten/Seeing 2. Umwenden/Sensing 3. Loslassen/…          61

Rechte Seite des U: kommen lassen, hervorbringen, verkörpern                          

" Alles zusammen = Runterladen, Hinschauen, Hinspüren, Anwesend werden, verdichten, erproben,

das Neue praktisch anwenden und institutionell verkörpern        62

5 Thesen: 1. Neue soziale Technik: Öffnung des Denkens, Fühlens, Willens –

Individuell und kollektiv          63

2. Jeder Mensch ist zwei: das Selbst durch das Nadelöhr           65

3. Drei Feinde: Stimmen des Urteilens, des Zynismus, der Angst                          

4. U als lebendiger, nicht linearer Prozess         67

5. Cycle of Presencing und Cycle of Absencing             69

 

3  Vier Ebenen des Lernens und der Veränderung

4 Ebenen von Veränderungsprozessen: 1. Reagieren (Routine), 2. Restruktu-

rieren (schliesst Strukturen und Prozesse mit ein), 3.Neu ausrichten (reframing)

(schliesst auch Denkmuster ein), 4. Regenerate (aus der Zukunft handeln)           71

Gespräch Scharmer-Senge: Meister Nan: Reintegration Materie und Geist…           74

…Ihre Trennung hat Menschen zu Gefangenen der Organisation gemacht             76

Systemdenken heisst: handeln und unsichtbarer Ausgangspunkt von Bewusstsein

und Denken rückkoppeln           77

 

4  Organisationale Komplexität

3 Komplexitätsarten: Dynamische Komplexität: Ursache und Wirkung liegen (räumlich/zeitlich)

nicht beieinander; Soziale Komplexität: unterschiedliche Interessen und Perspektiven der Beteiligten;

Emergente Komplexität: Problemstellung aus nicht linearen Veränderungen              79

Vom Produkt zum Prozess, vom Prozess zur Quelle – 12 Bereiche von Management:

Klassische und prozessorientierte Funktionsbereiche - Schemas - ; TQM             82

3 Formen des Wissens: explizites, verkörpertes, selbsttranszendierendes             88

Führung (nicht Management): 1. klare Richtung geben + kontrollieren 2. Delegieren/dezentralisieren

3. MA-Inspiration möglich machen (Imagination –Intuition erschliessen)             92

Der sich wandelnde Kontext:  Standard " Dienstleistung " Innovation         96

Institutioneller blinde Fleck: betrifft Struktur und Führung            97

 

5  Gesellschaft im Umbruch

3 globale Revolutionen in Entstehen: 1. die ökonomisch-ökologische, 2. die sozial-

relationale, 3. die kulturell-spirituelle         99

Diese 3.: Revolution von innen. Entstehen einer Zivilgesellschaft, einer kreativen Klasse,

eines neuen Umgangs mit Spiritualität als globale Kraft            100

Drei Kernanliegen: gerechtere Ökonomie für alle – Demokratie für mehr Eigenverantwortung – individuelle Entwicklung             105

3 Arenen des gesellschaftlichen Handelns: 1. Äussere Strukturen und Systeme: die das Individuum einzwängen

(„eiserner Käfig“) 2. Gelebte Strukturen und Systeme:

Es ist immer jemand da 3. Quellorte für das Hervorbringen von Handlung      106

Objektivität – Intersubjektivität – Transsubjektivität: Husserl, Capra, Wilber          108

Meister Nan: es wird eine Kombination von Naturwiss. und Philos. geben müssen;

Wir sehen den Prozess nicht, durch den wir selber die soz. Realität gemeinsam hervorbringen          111

 

6  Philosophische Grundlagen

Emergente Komplexität: aus einer leeren Leinwand bewusst handeln            113

Capra: Zukunft lässt sich nicht aus der Vergangenheit herleiten; Akzeptanz von

Embeddedness (=Allverbundenheit)              114

Lineare, dynamische, selbsttranszendierende Systeme – Tabelle             114

Nietzsche: Wissenschaft aus der Perspektive des Künstlers, Kunst aus der des Lebens sehen;

Aristoteles: Wissenschaft als Theorie, angewandte Kunst und praktische Weisheit              115

Heidegger: Realität ist kein „Ding“ sondern ein Prozess des Werdens             116

Nishida: Wissen und Liebe sind die gleiche mentale Aktivität               117

 

7  An der Schwelle

Neue Quellorte der Aufmerksamkeit, Intention und Intuition zu erschliessen…

…wo wir durch lineares Denken nicht weiterkommen; Lernen, unserem wirklichen Selbst gegenüberzutreten              118

Dadurch verändert sich auch unmittelbar die Qualität unseres Umfelds.            119

Unser Blindfleck fordert uns heraus: der „Werkzeugkasten“ fehlt uns noch. Sieh dich aber um, etwas ist im Gang          120

 

Teil II   Eintreten in das U-Feld

 

8  Downloaden – Runterladen

Feldstruktur des Runterladens – Beispiel Hammer und Bild            125

Vier Beispiele von Geschäftsführern         128

4 Barrieren: 1. Nicht erkennen, was man sieht 2. Nicht sagen, was man denkt

3. Nicht tun, was man sagt 4. Nicht sehen, was man tut             131

 

9  Hinsehen – Seeing

Feldstruktur des Hinsehens – Beispiel Goethe               134

3 Prinzipien helfen: 1. Frage und Intention klären 2. Zu den wichtigen Kontexten hingehen

3. Innehalten, alte Denkgewohnheiten zurückhalten (staunen lernen)         136

Gemeinsam durch Dialog die Realität sehen          140

Das Patienten-Arzt-Dialogforum             141

Vier Ebenen der Therapievorstellungen: Reparatur – Therapie – Reflexion – Selbsttransformation          145

4 Prinzipien um kollektive Sehfähigkeit zu entwickeln: 1. Intention verdichten

2. In den Kontext hinein gehen 3. Innenhalten 4. Dialog             147

 

10  Hinspüren – Sensing

Feldstruktur des Hinspürens – Patienten-Arzt-Dialogforum         149

4 Prinzipien: 1. Gefäss bilden 2. Eintauchen-sich verbinden 3. Aufmerksamkeit

Weg vom Objekt, hin zur Quelle 4. Öffnung des Fühlens – Herz nimmt wahr            152

Gralserzählung              156

Circle of Seven

 Zwei Formen von Ganzheit (Bortoft, Goethe, Hermeneutik): unechtes und authentisches Ganze.

Ergebnis von zwei verschiedenen Erkenntnisarten         163

3 Prinzipien des Sensings: 1. Eintauchen 2. Umlenken 3. Aktivieren           165

Goethe/Bortoft: Umkehrung von Gefäss und Inhalt eines Phänomens               165

Platos Höhlengleichnis: vom Kopf- zum Herzdenken           166

 

11  Presencing - Gegenwärtigung

Vom Sensing zu Presencing            168

2 Kernfragen von Kreativität: Who is my Self? What is my work?          169

Feldstruktur des Presencings: 3 Formen der Anwesenheit verschmelzen:

Vergangenheit, Zukunft, eigener werdender Selbst.           170

Weg und Erlebnis an der Quelle des Inns             170

Wurzel des Wortes; Quellort des Presencings in der umliegenden Sphäre          171

2 Formen von Erkenntnis und Wissen: analytisch, intuitiv; Verstand und Welt sind nicht getrennt         172

Das erfahrende Bewusstsein nimmt sich, die Welt und den hervorbringenden Prozess wahr.

Die Daten verändern sich nicht, dafür der innere Ort der Beteiligten         174

3 Beispiele zur Verdeutlichung: 1. Der Bildhauer 2. Autokonzern                176

3. Firmenzusammenschluss            178

Patienten-Arzt-Dialogforum in „Hochzeit-atmosphäre“             182

Projekt am Demeterhof Deutschland – Nadelöhrerlebnis : das Anwesendmachen

des authentischen Selbst ist der Schlüssel um sich von den Reaktionsmustern der Vergangenheit zu befreien           183

Das Risiko bejahen – Die eigene Angst loslassen. Jedes Mal …neu              184

Circle of seven: 3 Bedingungen des Hörens damit ein kollektiver Ort entstehen kann:

1. Bedingungsloser Zeuge sein 2. Frei machen des horizontalen Raumes für bedingungslose Liebe

3. Das authentische Selbst sehen                185

3 Prinzipien des Presencings: 1. Das Alte loslassen, sich auf das Neue einlassen

(Sterbeerlebnis) 2. Umkehren (etwas von innen nach aussen und von aussen

nach innen wenden) 3. Das authentische Selbst in die Welt kommen lassen

4. Kraftfeld des Ortes (inkl. Natur)          187

Feldnotizen: Nicht Ideen sondern praktische Übungen sind die Bedingung um

nicht  nur einmal sondern methodisch aus der tieferen Quelle heraus handeln

zu lernen (verschiedene Wege, Meditation…). 2 Bedingungen für fruchtbares Arbeiten:

was ich tue muss Sinn machen und eine Veränderung muss sichtbar sein             191 

   

12  Verdichten – Kristallisieren

Das erlebte Potential will verwirklicht werden – „Wir können es nicht nicht tun“ –

Der Prozess führt ins praktische Handeln: eine Sprache für diese Intention muss gefunden werden       193

Stille, Skepsis, Zweifel aber auch Offenheit sind spürbar (Pat.-Ärzteforum)             194

Feldstruktur des Verdichtens: eine lebendige Vorstellung von der entstehenden

Zukunft gegenwärtigen ist die erste Aufgabe. Abbildung. Senge         195

4 Prinzipien des Verdichtens: 1. Die Kraft der Intention 2. Kommenlassen

3. Öffnung zum tieferen Willen (M. Buber) 4. Aufwachorte (Umfeld, Kontext)          198

Feldnotizen: Der kleine und der grosse Wille           202

 

13  Erproben - Prototyping

Die Zukunft durch das Tun erproben. Der Prototyp ist ein Experiment: „Scheitere

häufig und frühzeitig, um dadurch schneller und besser erfolgreich zu sein“.

Ein Prototyp ist ein Lern- und Anpassungsprozess, basierend auf Rückmeldungen

und unmittelbar darauf basierenden Anpassungen. Beispiel Netzwerk

medizinischer Versorgung         204

Feldstruktur des Erprobens des Prototyps: Abbildung. Vom Imaginieren

zum praktischen Erproben fortschreiten. Integration von drei Intelligenzformen:

des Kopfes, des Herzens und der Hände           206

4 Prinzipien für das Erproben des Prototyps: 1. Sich mit der Inspiration verbinden

(tägliche Übung; mit seiner Intention verbunden bleiben; sich anbietende Gelegenheiten wahrnehmen und ergreifen,

im richtigen Moment den Sprung wagen) 2. Im Dialog mit dem Universum

3. Scheitere früh um schneller zu lernen 4. Schutzraum schaffen (strategische Mikrokosmen)          207

Feldnotizen: 3 entscheidende Verbindungen: 1. Vertikale (Inspiration, Intuition, Intention) 2. Horizontale (Feedback)

3. Lokal verankerte Situation („unten“)         213

Zwei Problemfelder: Aktionismus ohne Reflexion und „Analyseparalyse“          213

 

14  In die Welt bringen – Performing

Das Spielen der „Makrovioline“ – M. Pogacnik: vom Ganzen her handeln              214

Feldstruktur des In-die-Welt-Bringens: Hebel = „eco-system“ erlöst „ego-system“

Graphik           216

Prinzipien des Performings: 3 Achsen: 1. Wertschöpfungsprozess (horiz.) 2. Lernen, Innovation und Veränderung (vert.)

3. Beziehung Betrieb-sozialökol. Kontext             217

3 Grundkräfte systemischer Evolution: 1. Wertschöpfungsprozess 2. Innovationen

(nicht Optimierungen!) 3. Subtile Beziehung zw. System und Selbst            219

Gesamtblick im Rahmen Gesundheitssystem: Tabelle             220

Feldnotizen: effektive Lerninfrastrukturen schaffen! Scharmers Lernerfahrungen:

1. Kerngruppenkomposition 2. Primat der Praxis 3. Werkzeuge und Übungsfelder

4. Parallele Lernstrukturen 5. Kraft der gemeinsamen Intention 6. Leidenschaft

7. Wahrnehmungsgetriebene Aktivierung 8. Gemeinsame Produkte            223

 

 

Teil III Presencing – Eine soziale Technik

Für die Führung von Innovation

 

Umdenken und neuer Ansatz unumgänglich für Führungskräfte. Theorie U

unterscheidet 4 verschiedene Quellen unseres Handelns: 1. im Zentrum

2. an der Peripherie 3. ausserhalb der eigenen Peripherie 4. im entstehenden

Umfeld des Ganzen. Je nach Quellort des Handelns ändert sich das Ergebnis.               225

Kollektive Verhaltensmuster nenne ich soziale Felder. Vergleich zwischen Wissenschaftliche Feldtheorien (Physik)

und solchen im Sozialen: Materie (= Netz von Beziehungen), Gefäss (= Kontext) und Mechanismus

(= Verschiebung in der Aufmerksamkeitsstruktur). Eine neue soziale Grammatik wird erfordert.                226

 

15 Die Grammatik des sozialen Feldes

 

Es folgen 21 Thesen: sie benennen was passiert, wenn ein Veränderungsprozess stattfindet.           227

Soziale Realität und menschliches Bewusstsein hängen zusammen. Kurt Lewin.          228

 

         1. Soziale Systeme werden von ihren Akteuren hervorgebracht und bestimmen gleichzeitig den Kontext für ebenderen Handeln

Diese erste These ist bestimmend für die folgenden 20 Thesen.             229

 

         2. Der blinde Fleck in der gegenwärtigen Sozialwissenschaft, in der Theorie sozialer Systeme 

und in der Feldtheorie betrifft die Quellen, aus denen soziale Systeme entstehen.

3 Ebenen der Generierung von sozialer Realität: das System; wie es vom Akteur reproduziert wird;

oder/und die innere Quelle, aus der gehandelt wird und das System verändert.                  229

 

         3. Jede soziale Handlung hat vier mögliche Quellorte, aus denen heraus sie entstehen kann.

Die vier Feldstrukturen der Aufmerksamkeit: Ich-in-mir; Ich-in-Es; Ich-in-dir; Ich-in-Gegenwärtigung.                230

 

         4. Die vier Quellen und Strukturen der Aufmerksamkeit bringen vier verschiedene Feldqualitäten hervor, 

die den sozialen Prozess auf je unterschiedliche Weise konfigurieren.

Beispiel Kommunikationsprozess: Runterladen (=konformgehen); Debatte (=Konfrontation); Dialog (=Reflektieren);

Schöpferisches Dialog oder Presencing (=gemeinsames Verbinden) – Abbildung – Beispiel des Patienten-Ärzte-Forums.          231

 

         5. Die vier Felder des Hervorbringens sozialer Realität gelten für alle Ebenen der sozialen Welt. 

Mikro-, Meso-, Makro- und Mundoebenen. Auf den zwei letzten Ebenen können folgende Phasen erkannt werden:

zentralisierte maschinelle Bürokratien " dezentralisierte Divisionsstrukturen " vernetzte Organisationsstrukturen " Innovationsökologien.

Vier Koordinationsmechanismen auf Mundoebene: Hierarchie " Markt " Dialog " Kollektives Presencing.                235

 

6. Die Umschlagspunkte in der Bewegung von einem Feld zum anderen sind auf allen Ebenen gleich.

Die Umschlagspunkte konstituieren eine soziale Grammatik: Öffnen des Denkens, Fühlens, Willens. Entsprechung mit den vier Ebenen – Abbildung.            237

 

         7. Je mehr ein System durch Hyperkomplexität bestimmt ist, desto notwendiger ist es, die Fähigkeit auszubilden, 

aus den tieferen Feldern der sozialen Emergenz heraus zu handeln.

Dynamische, soziale, emergente Komplexität und Hyperkomplexität.                 238

 

         8. Eine tiefgreifende Innovation, die sich auf allen drei Formen von Komplexität bezieht, bedarf eines Prozesses, 

der die drei Bewegungen integriert: sich den Kontexten, die relevant sind, zu öffnen, sich mit der Quelle der Stille zu verbinden 

und das Neue in die Welt zu bringen.

Die drei Umschlagspunkte (linke Seite U) finden ihre Spiegelung auf der rechten Seite: Kommenlassen; Erproben; Embodying.                239

 

         9. Um die tieferen Quellen sozialer Felder zu erschliessen und zu aktivieren, müssen drei Instrumente aufeinander eingestimmt werden: 

das Öffnen des Denkens, das Öffnen des Fühlens und das Öffnen des Willens.

Bild Musiker, der sein Instrument stimmt um spielen zu können. Im Sozialen wird oft (falsch) weiter und weiter gespielt, werden Berater geholt…

Wie alle drei Instrumente des Öffnens gelernt werden können.                   240

 

         10. Die Bewegung entlang den vier Feldern verlangt es, drei Barrieren zu überwinden: 

die innere Stimme des Urteilens, die innere Stimme des Zynismus und die innere Stimme der Angst.

Feinde von innen. Die Herausforderungen des Umfelds und die Stimmen des inneren Widerstands bedingen

die Möglichkeit aus den tieferen Quellen des U zu handeln.          242

 

         11. Will man sich auf der rechten Seite des U-Prozesses nach oben bewegen, bedarf es einer Intention, 

dem Ganzen zu dienen, und der Fähigkeit, die Intelligenz des Kopfes, des Herzens und der Hände praktisch zu integrieren.

Dabei drei Stolpersteine: Analyseparalyse; gedankenloses Handeln; Blabla.             244

 

         12. Je grösser die Diskrepanz ist zwischen einer äusseren, systemischen Komplexität und der inneren Fähigkeit, 

die tieferen Strömungen des Werdens, der Emergenz, zu erschliessen, desto wahrscheinlicher wird sich ein System 

auf dem Holzweg befinden und auf einen zerstörerischen Raum der Antiemergenz treffen.

Der Zyklus der Antiemergenz, das Absencing (abwesend werden, erblinden, entfühlen, illusionieren, abbrechen, zerstören).

Das Phänomen des sozialen Feldes entsteht in der Spannung beider Räume.                    244

 

         13. Der soziale Raum der Antiemergenz manifestiert sich als festgefahrene Reaktion, dem Fundamentalismus.

Drei Hauptformen des Fundament.: religiöser, wirtschaftlicher, politischer Art. Erkennbar durch vier Merkmale:

Nichtsehen, entfühlen, abwesendwerden, zerstören.             246

 

         14. Das soziale Feld ist ein sich entfaltendes Ganzes, das über fünf Dimensionen wahrgenommen und erlebt werden kann. 

Diese sind: sozialer Raum, soziale Zeit, Selbst, Intersubjektivität und die Körperlichkeit der Erde.

Beispiel Demonstration in Brokdorf.                 247

 

15. Wenn sich ein soziales Feld verändert und allmählich die tieferen Ebenen und Strömungen der Emergenz mit einschliesst, 

bewegt sich die Erfahrung von Zeit, Raum, Selbst, Intersubjektivität und der Körperlichkeit unseres Planeten durch einen Umkehrungsvorgang.

Raumerfahrung: 1 zu 4-dimensional; Zeit: unabhängig, chronologisch, intensiviert, Stille;

Selbst: Gewohnheit, rational, relational, authentisch; Intersubjektivität: Bezugsrahmen,

wirkliche Belange, Verbindung, Grenzenauflösung; Erde: Toter Körper, Ressource, lebendiges System, höhere Sinnhaftigkeit.                248

 

16. Das Öffnen der tieferen Quellen der Emergenz kehrt die Beziehung zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft um.

Selbst nicht mehr im Zentrum: Urbild weiblicher Spiritualität; Graalsgemeinschaft.                   251

 

17. Das Öffnen der tieferen Quellen und Felder der Emergenz verändert die Beziehung zwischen Wissenden und Wissen.

3 Formen des Wissens: explizites, implizites, selbsttranszendierendes. Die Trennung

Zwischen Wissen und Akteur wird zur Einheit.                252

 

18. Das soziale Feld ist eine entstehende Zeitskulptur.

Sie bringt die gewordene und die werdende Zeit zusammen und lässt sie sich im Moment der Gegenwärtigkeit treffen.

Im sozialen Geburtsprozess treten Gebärender, helfender Beobachter und Neugeborene aktiv auf.                254

 

19. Die Entwicklungsrichtung von einem sozialen Feldgeschehen ist eine Funktion von skalenfreien Resonanz-Schwingungen.

= Schaffung eines strategischen Netzwerks von kleinen Initiativen und Prototypen.              255

 

20. Die Zukunft eines jeden Systems ist eine Funktion des Aufmerksamkeitsfeldes, von dem aus wir uns zu handeln entschliessen.

Ständiger bewusster oder unbewusster Entscheid jedes Einzelnen aus welchem sozialen Raum er wahrnehmen

und handeln will: Antiemergenz oder Werden.               256

 

21. Die revolutionäre Kraft dieses Jahrhunderts ist das Erwachen einer tiefen schöpferischen menschlichen Fähigkeit: das Ich-in-Gegenwärtigung.

 

Zusammenfassung der Feldtheorie in 5 Punkten:

a. Befasst sich mit der Qualität des relationalen Raumes und den Grundmustern der Emergenz in einem sozialen System.

b. Beide sind von den Handelnden und ihrer kollektiven Struktur der Aufmerksamkeit abhängig.

Der soziale Prozess kommt in die Wirklichkeit durch 4 verschiedene Quellorte und Aufmerksamkeitsstrukturen.

c. Um diese zu erschliessen müssen 3 Instrumente aktiviert werden: Öffnung des Denkens, Fühlens, Wollens.

d. Spiegelung durch den Raum der Antiemergenz: die Stimmen des Urteils, des Zynismus und der Angst.

e. Revolutionäre Kraft unserer Zeit: das Ich-in-Gegenwärtigung, der schöpferische Funke im menschlichen Bewusstsein.

Überall und jede Zeit aktivierbar.

Die weiteren Kapitel veranschaulichen die praktische Anwendung dieser sozialen Feldtheorie durch alle Systemebenen: Mikro-, Meso-, Makro-, Mundo-, Metaebene,

vom Gesichtspunkt der Veränderung des inneren Ortes.

4 (oft versteckte = blinder Fleck) Grundprozesse werden dabei beschrieben: Denken, Kommunizieren, Organisieren, globales Gestalten.

Schlusskapitel: Soziale Technik der Freiheit.                   256

 

16 Denkendes Handeln

Die Geschichte der Geschirrspülmaschine und Dreijährigen: auf die Einstellung kommt es an. Drei Lehren daraus:

jederzeit ist Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit möglich; je grösser der externe Druck, desto stärker der Drang zur Absencing; lernen, Objekten

Zu begegnen statt mit ihnen zu interagieren.                     259

Beispiel Theaterspiel: Begegnung mit dem Publikum.                    261

Hitlers Sekretärin: warum sie nicht fliehen konnte obwohl sie es durfte. Der Zyklus der Antiemergenz:

Runterladen, Erblinden, Verschanzung und Entfühlung, Abwesendsein,

Illusionierung, vorzeitiges Abbrechen, Auslöschen.              262

Abbild.: Zusam.fassung der individuellen Dimensionen der U-Theorie: +/-.

Platos Höhlengleichnis.                 266

 

17 Kommunikatives Handeln

Gespräche verlaufen oft nach Mustern / Ebenen: 1. Runterladen: sagen, was die anderen hören wollen;

2. Debatte: sagen, was man denkt;  3. Dialog: das gegenwärtige Ganze wahrnehmen;

4. Schöpferischer Dialog: das entstehende Ganze wahrnehmen. Das Muster erfasst die ganze Gruppe. Habermas, Elias, Isaacs, Buber, Bohm.             269

Workshop „Kunst, Führung und soziale Transformation“ in Witten-Herdecke.                 270

Feld-1-Kommunikation: Runterladen.                    273

Feld-2-Kommunikation: Debatte.                      274

Feld-3-Kommunikation: Dialog.                     276

Feld-4-Kommunikation: Presencing.               278

Raum und Antiraum in Kommunikationsprozessen (Tabelle).                    280

7 Verhaltensmuster des kommunikativen Abwesendwerdens: 1. Vergangenheit wiederholen 2. Andere Sichtweisen ausgrenzen

3. Schuld bei den anderen ansiedeln 4. Abtrennen vom eigenen Selbst/Hybris 5. Intrige und Manipulation 6. Mobbing

7. Kollektives Zusammenbruch. Sie entsprechen den 7 Stufen des negativen U.           281

Fazit in 5 Punkten: 1. Der Einzelne will grundsätzlich kreativ handeln 2. Viele Gespräche landen jedoch in den Antiraum des Absencing

3. Widerspruch Intention-Ergebnis = pathologisches Gesprächsmuster 4. Hindernis zur eigenen sowie zur organisationalen  Entwicklung

5. Reparieren versucht man auf der rechten Seite während Ursachen auf der linken zu suchen sind. Wie finden wir den Weg zum Konstruktiven zurück?           287

Ein Instrument dazu: das Dialoginterview. Beispiel der Autofabrik.                  288

10 Schritte zur Auswertung und Synthese der Interviews: 1. Vorbereitung 2. Eröffnung 3. Artikulation von Intention und Kernfragen

4. Beobachte, beobachte, beobachte5. Vom Ganzen her wahrnehmen (Sensing) 6. Essentielle Emergenz 7. Verdichten 8. Erstellen eines Prototyps

9. Präsentieren und In-die-Welt-Bringen 10. After-Action-Review.                  290

Die Evolutionsstufen des kommunikativen Handelns – Tabelle: wie das Gespräch

sich von Stufe zu Stufe entwickeln kann. Der 5-Punkte-Plan, der es perfekt verunmöglichen würde.                    296

 

18 Organisationales Handeln = Entwicklung von Koordinations- und Machtstrukturen

Anwendung der 4 Feldstrukturen der U-Theorie auf die Organisation: 1. Bürokratie 2. Divisionen 3. Matrix 4. Innovation.                 301

Macht des Einzelnen (Gründers) und der Organisation, von zentralisierten zu dezentralisierten Feldstrukturen – Beispiel DEC.                 304

Weg zum Netzwerk.                    308

Weg zum Eco-System.                  310

Pathologien (Raum – Antiraum) – weiter mit Beispiel DEC. Institutionelle Ignoranz,

Arroganz, Hybris, Desinformation und Anomie, Sklerose, fehlende Infrastruktur.              312

5 Beobachtungen: 1. Aktueller Trend allg.: Feld 2. 2. Wenige bei Felder 3 und 4. 3. Antiraum gebührend vertreten!

4. Globale Turbulenzen aktiv 5. Führungsversagen = Hauptproblem unserer Zeit.                322

Institutionen wie Lebewesen betrachten: ihre Entwicklungsstufen (Tabelle).           324

 

19 Globales Handeln

Warum auf globale Ebene handeln und wie: die Herausforderung.                   328

Beispiel Schulen, Gesundheitsversorgung: Kernfragen werden nicht angegangen.               329

Kirche, Staat, Wirtschaft: Diktatur oder Koordination durch tiefgreifende Prozesse.                 333

Globale Kommunikation auf Runterladenebene.                  334

Sektorenübergreifende Kommunikation nach Feldern 2, 3 und 4.            337

Vier Formen der gesellschaftlichen Koordination.                 340

Geschichtliche Transformationen: Aufstieg des privaten Sektors, des Zivilsektors, der Gesamtsysteminnovation.                    342

Fundamentalismen der Vergangenheit – Öffnung zum Zukünftigen nach 7 Stufen.                346

Transformation von Kapitalismus und Demokratie in 4 Schritten.                 350

 

20 Den Funken des In-die-Welt-Kommens sozialer Realität einfangen - Führen

Überblick über das Ganze.               356

Feld 1: autistisches System bei allen 4 Grundprozessen (denkendes, kommunikatives, organisationales und globales Handeln) /

Feld 2: adaptierende Systeme / Feld 3: selbstreflexive Systeme / Feld 4: generative Systeme.                357

Das Wesen des Presencing und Zusammenfassung.                     362

Werdeweg des Bewusstseins, Zeugnis Astronauten durch P. Senge.          364

Grammatik des sozialen Feldes: Regeln und treibende Kraft der Veränderung.              366

Gesamttabelle nach 10 Kategorien und 7 U-Stufen.               368

Vier Feldstrukturen (Ebenen des U) – Vier Ursachen (Causa materialis, formalis, finalis, efficiens) mit Beispielen.                370

„Die Bewegung durch den U-Prozess transformiert die kausalen Mechanismen menschlicher und sozialer Systeme“:

zusammenfassender Abschnitt.                374

Der Weg der Führung... durch den Weg durch den U-Prozess.               375

Das soziale Feld als lebende, sich entwickelnde Entität: verschiedene Phasen,

durchgehende und verbindende Bewegung, praktische Perspektive.             376

 

21 Prinzipien und Praktiken des Presencing für die Führung von Innovations- und Veränderungsprozessen

Kapitel zu Handen des Akteurs, der den Veränderungsprozess leitet. Die beschrie-

bene soziale Technik basiert auf 5 Bewegungen, die sich jeweils auf Prinzipien und Praktiken (24) gründen.              380

 

22 Epilog: Eine globale Aktionsforschungsuniversität