2014

Revue professionnelle romande: L'éducateur.

- - -

Leserbrief zum BSO Journal 2013 Nr 4: Tabus (sans traduction)

Scheitern – Allgegenwärtig und doch kein Thema (Geri Thomann)

Wie Geri Thomann schreibt (bso Journal 4 – 2013), „gehört Scheitern zwar irgendwie zum Leben – möglichst aber nicht zu unserem“.

Tatsächlich, wie soll es auch anders sein? Was macht jedoch das Thema ebenso hoch aktuell wie unbeliebt? „Zum Scheitern verurteilt? Erkoren!“ nannten Stefan Brotbeck, Peter Dellbrügger und Bernard Hucher ihre Forschungsinitiative vom 30. November 2013 am Philosophicum Basel. Die Kooperationsveranstaltung vom Philosophicum und dem Hardenberg Institut Heidelberg versammelte Unternehmer, Berater, Führungskräfte und Wissenschaftler um die Fragen: Was scheitert denn, wenn wir scheitern? Könnte dadurch vielleicht gerade etwas anderes, etwas Existentielles, gelingen? Welche neuen Perspektiven könnten sich dadurch eröffnen? Lässt sich Scheitern und der Umgang mit dem Scheitern als eine zu vervollkomnende, einzuübende Fähigkeit des modernen Menschen erfassen?

In seinem Beitrag führte Brotbeck vor Augen, dass es im menschlichen Leben nicht nur ein Futurum – planbare Zukunft – gegenüber einem Perfectum – abgeschlossene Vergangenheit – gibt, sondern auch die Möglichkeit eines Adventus – der offenen Empfänglichkeit für das Unvorwegnehmbare – gegenüber einem Imperfectum – dem gegenwärtig offenen Potential der Vergangenheit. Gerade das Imperfectum, so Brotbeck, gehöre zu unserem einmaligen individuellen Sein – weshalb ausgesprochen diese Schicht unseres Lebens uns  „zum Scheitern beruft“. Scheitern sei als eine Dienstleistung zu verstehen, die wir erhalten, wenn die Zeitqualitäten Futurum und Adventus, Perfectum und Imperfectum auseinander geraten.

Am Beispiel Titanic zeigte Karl-Martin Dietz wie der damalige Kapitän ganz nach bestem verfügbaren Wissen und erprobter Erfahrung „richtig“ gehandelt hat – was gerade zur Ursache der Katastrophe wurde. Somit, führte Dietz aus, sei er an seiner eigenen seelischen Disposition gescheitert. Müssen wir uns nicht selber solches Scheitern täglich zugestehen? Wie oft handeln wir wie dieser Kapitän und bewirken Unglücke?

Den Tagungsteilnehmern drängte sich immer deutlicher die Einsicht auf, dass eine neue Entwicklung für den modernen Menschen existentiell nötig sei: die Entwicklung einer auf Autonomie und Einsicht beruhenden Geistesgegenwärtigkeit.      

Das Philosophicum Basel will sich dem weiteren Forschen auf diesem Gebiet widmen und zeitgemässe, auf Erkenntnis- und Selbstreflexionsprozessen basierende Beratungstätigkeit aufbauen.

Bernard Hucher

Organisationsberater/Coach BSO

Antérieurement

1999 - Chemins vers la qualité: l’autre démarche qualité - Geneviève Petitpierre (Ed.)

2000 - Les critères Qualité: réflexions et recherches au sein du travail social - Ed. privée

2002 - Enrichir les compétences - Lucerne, Edition SZH/SPC